3.2.2Dienste:Die zentralen Standorte der sozialen Infrastruktur werden durch Verbundmodelle leistungsfähig gehalten

Einerseits gefährden sinkende Schülerzahlen die Tragfähigkeit von Standorten im Schulbereich, andererseits steigt wegen der wachsende Zahl Älterer die Nachfrage im Gesundheitsbereich. Die Einzelhandelgrundversorgung benötigt einen Minimalnahbereich von 5000 Einwohnern.

Für Grundzentren mit Nahbereichen von minimal 5.000 Einwohnern müssen neue Modelle z.B. für die Schul-, Arzt- und Pflegeversorgung entwickelt werden. Dabei können Verbundleistungen mit dem zugeordneten Mittelzentrum hilfreich sein (z.B. Medizinische Versorgungszentren). Das gilt auch für die Handelsversorgung.

Die Aufstellung von regionalen und kommunalen Entwicklungsplänen für die sozialkulturellen Dienstleistungen soll gefördert werden. Unter Berücksichtigung der demografischen Nutzerentwicklung müssen besonders die schulische, ärztliche und pflegerische Versorgung überprüft werden (z.B. mobile Dienste).

pdf-iconStudie Kapitel 3.2.2 (Seiten 80 - 82) Diensteprofil: Flexibilisierte Angebote

Kommentare

  • Der sich in den ländlichen Regionen abzeichnende (Haus-) Ärztemangel bedarf eines rechtzeitigen Gegensteuerns. Hierbei sind zuvörderst die Ärzteschaft und die Krankenkassen aufgerufen, über tradierte Denkmuster hinaus neue Optionen zu prüfen und zu erarbeiten. Die sich etwa aus der „Vereinbarung über die Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung gemäß § 28 Abs. 1 S. 3 SGB V“ vom 1. Oktober 2013 zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband ergebenden Möglichkeiten von Medizinischen Versorgungszentren werden derzeit diskutiert, begegnen allerdings noch vielen Vorbehalten auf Seiten der Ärzteschaft. Dieser Diskussions- und Vermittlungsprozess sollte von den Kommunen positiv begleitet und – wo möglich – mit gesteuert werden. Ebenso sollten weitere an den Problemen des ländlichen Raums orientierte Lösungsansätze (z.B. mobile Arztpraxen) positiv begleitet werden.

  • Das „Leben auf dem Lande“ muss als echte Alternative attraktiv bleiben, um eine „Landflucht“ zu verhindern. Dazu gehört eine gute Infrastruktur (ÖPNV), die es insbesondere auch älteren Menschen gerade in Bezug auf Mobilität ermöglichst, nach ihren Bedürfnissen zu leben. Synergieeffekt dabei: Attraktives Wohnen auf dem Lande erspart den Wohnungsneubau in der Stadt, da gerade im ländlichen Bereich schon jetzt diverse Wohnungsleerstände bestehen.
    Aber natürlich ist auch das Thema „Sicherheit“ ein sehr wesentliches, ganz besonders für ältere Menschen. Diese sind zwar weniger kriminogen – sie sind für bestimmte Tätergruppen aber bevorzugte Opfer und haben einen stärker ausgeprägten Sicherheitsbedarf. Die Präsenz der Polizei in der Fläche muss sich an den (künftigen) Gemeindestrukturen orientieren. Einwohnerzahlen und Kriminalitätsbelastung spielen dabei natürlich eine Rolle – aber nicht ausschließlich. Der Bürger muss den Eindruck haben, dass „seine Polizei“ auch um die Dinge in der Region weiß, sie also im Nahraum präsent ist. Sicherheit ist ein wesentlicher Standortfaktor und bei der Wohnortsuche wie auch der Bewertung von Wirtschaftsstandorten nicht zu unterschätzen.

  • Wenn nur durch „Verbundeinheiten“ Dienstleistungen aufrecht erhalten werden können, ist ein verbesserter, „individualisierter“ ÖPNV erfoderlich, damit die Einwohner/innen diese Leistungsanbieter auch erreichen können. Sonst droht ein verstärkter Wanderungsverlust für Randgebiete und Dörfer.

  • Die ärztliche Versorgung wir zunehmend zu einem Problem. Es sollte über eine mobile Arzt- und Zahnarztversorgung nachgedacht werden ( in einigen Regionen schon üblich).

  • Gerade bei einer älter werdenden Gesellschaft in den ländlichen Bereichen ist das subjektive Sicherheitsbefinden der Bevölkerung mit zu berücksichtigen, das sich nach allen Untersuchungen im Alter auch nach dem vermehrten Wunsch ausdrückt, die Polizei möglichst dicht in erreichbarer Nähe ansprechbar und sichtbar zu haben.

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