3.3.2Mobilität:Mit Straße und Schiene ist die Region nach außen gut angebunden und nach innen gut erschlossen

Göttingen wird durch einen leistungs­fähigen Schienennahverkehr zur „verstädterten Region“. Im kombinierten Rad- und Bahnverkehr sind mehr als die Hälfte der Einwohner an das Oberzentrum angebunden. Haltepunkte und Fahrzeiten entsprechen nicht überall dem Standard.

Die Region benötigt ein innovatives ÖPNV-Konzept. Die regionale „HarzWeserBahn“ soll zusätzliche Haltestellen in Bovenden, Obernjesa, und Moringen sowie Stich-fahrten nach Einbeck und Bad Lauterberg erhalten, um das Nutzer­potenzial zu erhöhen. Zur Senkung der Reisezeit soll das Tempo erhöht werden.

Gefördert werden muss ein attraktives zentrenbezogenes ÖPNV-Netz von Bahn und Bus. Spezieller Förderbedarf besteht zur wieteren „Ertüchtigung“ der Harz-Weser-Bahn. Erforderlich ist ein Sonder­programm zur Beschleunigung der Fahrten, zur Einrichtung zusätzlicher Haltepunkte sowie zur weiteren Modernisierung der Haltestellen.

pdf-iconStudie Kapitel 3.3.2 (Seiten 90 - 92) Verkehrsprofil: Mobile Region

Kommentare

  • Mutige Konzepte im ÖPNV ausprobieren
    Es ist ein interessanter Aspekt, das Thema Mobilität unter dem Oberbegriff Demografie zu diskutieren. Dass die gefühlte Sicherheit im Alter wichtig wird (Herr Ingold) und gewährleistet werden sollte, dass bei sinkenden Zuschüssen für die Schülerbeförderung die dann ebenfalls wichtiger werdenden ärztlichen Einrichtungen (Herr Schröder) einfach erreicht werden können, sollte Anlass dazu geben, das derzeit vorgehaltene Mobilitätsangebot des ÖPNV grundlegend zu überdenken.

    In vielen kleineren Dörfern gibt es nur wenige Busverbindungen in die Mittel- und Oberzentren am Tage, die sich bei den Abfahrtszeiten und den Zielen an den Arbeitsstätten und den Schulen orientieren. Es ist von der Angebotspalette anstrebenswert, hier mehr Ziele zu bieten und stärker auf individuelle Wünsche einzugehen (Arztpraxen, Supermärkte). Dies ließe sich bei gleichem Zuschussbedarf unter anderem durch Carsharingmodelle oder durch ehrenamtliche Selbsthilfeangebote gewährleisten. Die Einführung von Sharingmodellen im Bereich der E-Mobilität sind bereits Gegenstand eines Projektes zum »Schaufenster E-Mobilität« im Landkreis Göttingen.

    Auf der Nachfrageseite ist es wichtig, die vorhandenen Strukturen auch oder gar besser zu nutzen, um auch dem Umweltschutzaspekt genüge zu tun. Ein interessanter Ansatz ist es, auf den fahrscheinlosen öffentlichen Personennahverkehr zu setzen. Solche Modelle werden bereits eingesetzt in der belgischen Stadt Hasselt und in der estnischen Hauptstadt Talinn.

    Am Ende ist mir wichtig zu betonen, dass dies nicht heißt, dass Verkehrsdienstleistungen “für lau” angeboten werden sollen (»Umsonstkultur«). Die Teilnahme an dem fahrscheinlosem ÖPNV kann von der Registrierung des Fahrgastes im Gebiet des Anbieters abhängig gemacht werden. Die Annahme am fahrscheinlosen ÖPNV ist die, dass die Kosten auf alle potentiellen Nutzer umgelegt werden, unabhängig von der tatsächlichen Nutzung. Eine Beispielrechnung für den Stadtstaat Bremen finden Sie hier:

    http://piraten-hb.de/Blog/2011-10-30/fahrscheinloser-oepnv-in-bremen-einmal-durchgerechnet/

    Bitte prüfen Sie im Rahmen der kommenden Förderperiode, ob Südniedersachsen hier Vorreiter beim ÖPNV in Deutschland wird.

  • Die Aufrechterhaltung einer funktionierenden ÖPNV-Struktur im ländlichen Raum stellt eines der zentralen Elemente der ländlichen Daseinsvorsorge dar, da nicht dauerhaft dezentral vorzuhaltende Strukturen (hausärztliche Versorgung, Nahversorgung etc.) in Teilen nur durch erreichbare zentrale Strukturen ersetzt werden können. Der Rückgang von Schülerzahlen ist hierbei ein entscheidender Faktor, da die Wirtschaftlichkeit eines Streckennetzes hiermit in vielen Fällen steht und fällt. Gleichwohl dürfen wirtschaftliche Aspekte bei der unverzichtbaren Erschließung ländlicher Räume durch den ÖPNV nicht das ausschlaggebende Kriterium sein, zumal sich gerade auf wirtschaftlich nicht abbildbaren Strecken Alternativen im Sinne eines „PPNV“ (privat betriebenen PNV) – jedenfalls ohne öffentliche Fördermittel – nicht finden werden.

  • Die Region ist einerseits durch den recht gut erschlossenen großstädtischen Bereich Göttingen mit seinem Umfeld, in der Fläche aber durch Kleinstädte, teils als Mittelzentren, und Dörfer gekennzeichnet. Will man die Menschen (insbesondere auch die älter werdenden) in der Fläche halten, bedarf es eines abgestimmten Konzeptes des ÖPNV, der die Bedarfe der Menschen mehr als heute berücksichtigt. Schon jetzt haben Schüler Probleme, an den Schulstandort zu gelangen. Besuche/Arzttermine in Krankenhäusern per ÖPNV sind für viele Menschen kaum möglich. Der ältere Mensch ohne eigenes Auto hat in weiten Teilen der Region Schwierigkeiten, seine Verbindlichkeiten außerhalb seines Wohnortes zu erledigen. Ein Taxi ist nicht für jeden erschwinglich. Hier gilt es, innovative und möglichst wirtschaftliche, am wesentlichen Bedarf orientierte Konzepte zu entwickeln, die den Menschen (und hier insbesondere den Jungen und den Alten) die erforderliche Mobilität gewährleisten. ÖPNV ist ein wesentlicher Standortfaktor, ihm sollte eine hohe Priorität eingeräumt werden. Ein guter öffentlicher Personennahverkehr verhindert die Abwanderung der Menschen.

  • Regionales Radwegenetz: Fahrradtourismus

    Zu den von Ihnen aufgeführten niedersächsischen Radfernwegen möchten wir anmerken, dass der Weser-Harz-Heide-Radweg (Nr. 5), aktuell zwischen Bartolfelde und Fuhrbach baulich ergänzt wird.
    Hinsichtlich des dargestellten Regionsradwegenetzes sei angemerkt, dass derzeit zwischen Gieboldehausen und Rollshausen baulich ein Lückenschluss vollzogen wird, der eine durchgehende Radwegeverbindung zwischen Duderstadt und Wulften ermöglicht.

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